Pastor Meier in Lengerich Wanderer zwischen den Kirchen

Ehrenbürger und Heimatforscher

Über den früheren Amtsvorgänger Hermann Meier, zuständig für die ev.-ref. Gemeinden Lengerich und Thuine weiß Pastor Alfred Mengel aus Lengerich viel zu berichten. Foto: Johannes Franke

Lengerich. Gerhard Sels sitzt im Vorgarten und genießt den warmen Frühlingsnachmittag. Befragt nach der Hermann-Meier-Straße in Lengerich, weist er auf die Straße und auf die gegenüber liegende evangelisch-reformierte Kirche hin. Hier wirkte Pastor Meier von 1908 bis 1947.

Neben seinen kirchlichen Aufgaben schrieb Meier als Heimatforscher zahlreiche Aufsätze und wissenschaftliche Abhandlungen. 1960 ernannte ihn die Gemeinde Lengerich zum Ehrenbürger und würdigte sein Wirken, vor allem den Heimatforscher, mit der Namensgebung: Hermann-Meier-Straße. Im Haus Nummer 1 wohnt Gerhard Sels, wie die Kirche mitten im Ort.

So wie Pastor Meier war auch Pastor Alfred Mengel nahezu 40 Jahre in der ev.-ref. Kirchengemeinde Lengerich tätig und weiß sehr viel über den früheren Amtsvorgänger zu berichten. Vom 15. November 1908 bis zum 1. Oktober 1947 betreute Pastor Meier die ev.-ref. Gemeinden Lengerich und Thuine. Er predigte oft auch in Freren und Baccum. Jede Woche ging er zu Fuß den Weg zwischen den Orten, um dort Konfirmandenunterricht zu geben, Kranke zu besuchen, Gottesdienst zu verrichten und seinen seelsorgerischen Aufgaben nachzukommen. „Vielleicht erreichte er das hohe Alter von 92 Jahren aufgrund der ständigen Wanderungen“, mutmaßt Pastor Mengel.

In beiden Kirchengemeinden gab es nur wenige Mitglieder, und so hatte er neben den obligatorischen Amtshandlungen Zeit und nutzte sie als Heimatforscher. Seine Verdienste und das Ansehen als Heimatforscher formuliert unsere Zeitung am 9. März 1968 so: „Als Heimatforscher widmete sich Pastor Meier vor allem der Siedlungsgeschichte des Kirchspiels Lengerich. Die heimische Volkskunde und die heimatliche Baugeschichte hatten ihn gefangen genommen.“


Mit Katholiken musiziert

In der Schriftensammlung des Heimatarchivs finden sich unter den 84 „Schriften von Pastor Hermann Meier“ Titel wie zum Beispiel: „Die Mühlen und das Mühlenwesen im Kirchspiel Lengerich, 1942“, „Alte Gebräuche und Sitten in Dorf und Bauernschaft Lengerich, 1935“, „Gesammelte Nachrichten über den Hof Köbbermannn in der Bauernschaft Lengerich“. Nach Angaben von Pastor Mengel hat Hermann Meier schwerpunktmäßig Hof- und Familiengeschichten zu allen Epochen erarbeitet. Die Siedlungsgeschichte Lengerichs habe er intensiv erforscht, zudem die mittelalterliche Geschichte sowie Ereignisse aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg.

Pastor Meier hat außerdem unabhängig von den Konfessionen im Ort über seine pastorale Tätigkeit wesentlich zur Entspannung zwischen den Konfessionen in Lengerich beigetragen. „Ihm ist es zu verdanken, dass sich das Verhältnis zwischen den beiden Bekenntnissen wesentlich besserte“, ist am 9. März 1968 in dieser Zeitung zu lesen.

„Im großen, stattlichen Pastorat ging es vornehm zu“, so Mengel. Dort führte Meier, am 6. Dezember 1875 in Ottbergen (Kreis Höxter) im deutsch-preußischen Kaiserreich geboren, mit „Frau Pastor Meier“ ein bürgerliches Leben. Er sei ein „eher konservativer, durch die Zeit geprägter Mensch gewesen,“ berichtet Mengel. In der Familie mit drei Töchtern verrichteten zudem zwei Hausmädchen im Stile der damaligen Zeit die Arbeit.

Der vornehme, freundliche, im Ort bekannte und geachtete Herr lud wöchentlich zum Musizieren im Salon seines Hauses ein, denn er konnte sehr gut Geige spielen. Das Streichquartett mit dem katholischen Lehrer und Bauern „war für die damalige Zeit schon fast unerhört“, so Pastor Mengel. Doch hätten die musikalischen Abende zur Lockerung und Entspannung zwischen den Konfessionen beigetragen. Singen konnte Meier nicht. So musizierte er während des Konfirmandenunterrichts auf der Violine und die Kinder sangen die Lieder.

„Die Gemeindemitglieder reden mit Respekt über ihn, und die, die ihn gekannt haben mit Hochachtung“, so Mengel. Er habe die kleine Gemeinde stückweise gefördert, ihr Selbstvertrauen gegeben, sie zur Ehre gebracht.

Fünf Jahre nach Dienstende zog Meier am 19. Mai 1952 in seine alte Heimat nach Ottenberg zurück. Der Lengericher Ehrenbürger, Pastor und vor allem Heimatforscher starb 92-jährig am 5. März 1968 in Höxter.

Pastor Hermann Meier im Jahre 1925

Im Ortskern der Gemeinde Lengerich liegt die Hermann-Meier-Straße

Quelle: Lingener Tagespost vom 08.05.2015

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